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Verwoben

Yllaria

Schon bald stellte sich ein eigener Rhythmus ein, während die Waldelfe und der Wolf der Spur durch den Wald folgten. Garou lief stets einige Schritte voraus und hielt seine Nase dicht über dem Boden. Jede noch so feine Veränderung schien ihm etwas zu erzählen und Yllaria vertraute darauf, dass seine Sinne sie sicher führten. Sie selbst ließ den Blick unablässig durch ihre Umgebung schweifen. Immer wieder streckte sie ihren Geist in alle Richtungen aus und lauschte dem La, das den Wald durchströmte. Jede noch so kleine Veränderung konnte auf eine Gefahr hindeuten.

Mit jedem Schritt verband sie sich ein wenig mehr mit ihrer Umgebung. Das La pulsierte ruhig unter ihren Füßen und antwortete auf ihre eigene Magie wie eine vertraute Melodie. Bald fühlte sich jeder Schritt selbstverständlich an, als würde der Wald sie tragen. Langsam ebbten Zorn und Wut in ihr ab, an ihre Stelle traten Unverständnis und Entschlossenheit. Sie wusste noch immer nicht, weshalb der Panther Be’ryll angegriffen hatte. Vielleicht gab es Gründe, die sie noch nicht erkennen konnte. Sie konnten sich als Feinde begegnen oder als Freunde. Yllaria zog Letzteres eindeutig vor. Sollte der Panther jedoch Garou oder sie angreifen, würde sie keinen Augenblick zögern, sie zu verteidigen.

Nachdem sie bereits eine gewaltige Strecke zurückgelegt hatten und der Mond seinen höchsten Stand erreicht hatte, wurde es Zeit für eine längere Rast. Gemeinsam fanden sie eine kleine Lichtung, die ihnen einen guten Blick auf die Umgebung bot und zugleich vom dichten Wald geschützt wurde. Yllaria setzte sich mit dem Rücken an den mächtigen Stamm einer alten Eiche und schloss die Augen. Langsam streckte sie ihren Geist nach den umstehenden Bäumen aus und ließ einen kleinen Teil ihrer Magie in den Boden fließen, der von ihren Wurzeln durchzogen wurde. In ihrem Geist entstand ein einzelner Gedanke. Heilung. Fast unmerklich begann sich eine leise Melodie zu formen. Zunächst summte sie sie nur in Gedanken, doch schon bald lösten sich die ersten Töne von ihren Lippen und schwebten fast lautlos zwischen den Baumstämmen hindurch. Es war kein kunstvoller Zauber. Es war vielmehr ein Angebot. Wie eine ausgestreckte Hand. Ein zweiter Gedanke folgte. Schutz. Ein stiller Tausch. Ein wenig ihrer Magie gegen eine friedliche Nacht. Zunächst blieb alles unverändert. Dann antwortete der Wald. Das La um sie herum schwang für einen kurzen Augenblick im gleichen Rhythmus wie ihre Melodie. Ein sanfter Wind strich durch die Kronen und ließ die Blätter leise miteinander flüstern. Yllaria spürte, wie ihre Magie aufgenommen wurde. Nicht fordernd, sondern dankbar. Ein warmes Gefühl breitete sich in ihr aus und lächelnd senkte sie den Kopf.

Sie würden ein paar Tage für ihr Abendessen nicht jagen brauchen, da Yllaria genügend Proviant für sie beide dabeihatte. So lehnte sie sich später satt und zufrieden zurück und zog ihren Umhang fester um sich. Sie würde Garou nicht alleine lassen, indem sie sich in die Baumkrone zurückzog, gleichzeitig merkte sie schon jetzt wie die Kälte in ihren Körper kroch. Mit einem kleinen Schmunzeln rückte sie näher an Garou, damit seine Wärme auch sie wärmen konnte. Als ihre Hände durch sein dichtes Hell glitten, bildetet sich eine wieder eine kleine Melodie auf ihren Lippen. Dieses Mal war sie wärmer. Sie ließ ihr freien Lauf und ihr Gesang erfüllte die kleine Lichtung, ohne die Stille zu verdrängen. Vielmehr schien er ein Teil von ihr zu werden. Das La antwortete erneut. Das Gras um sie herum bewegte sich in sanften Wellen während das Mondlicht sanft durch die Blätter fiel und wie silberne Fäden auf den Waldboden tanzte. Der Wind nahm ihre Melodie auf und trug sie hinaus in die Nacht. Sie erzählte von Verbundenheit und Frieden. Sie wollten sich dem Panther nicht als Feinde nähern. Also sollte ihr Lied auch erzählen, wer sie waren. Während sie sang, ruhte ihr Blick auf dem Wolf. Ohne sein Rudel musste auch er Einsamkeit kennen. Vielleicht würde diese gemeinsame Jagd einen kleinen Teil dieser Leere füllen. Langsam verklang die letzte Note und Yllaria lauschte noch lange auf den Nachhall zwischen den Bäumen, dann ließ sich tiefer in ihre Meditation sinken.

Das La pulsierte ruhig unter ihr. Ihr Atem und der Herzschlag des Waldes fanden nach und nach denselben Rhythmus. Es fühlte sich an, als würde die Grenze zwischen ihr und dem Wald verschwimmen. Ein anderes Lied erhob sich aus dieser Stille. Sie war tiefer als ihre eigene. Getragen von langsamen, ruhigen Tönen.

La a’bâo lu
Shiyaa dha salasandra, awa aya fen
Fôza nea valva awa’e
Lyr nurti, lyr nea, lu
Êona a’doa nea, lu sha’ka

Der Wald erinnert sich an die Stille
Die Sterne sind im Gleichklang während das Wasser träumt
Der Nachtwind berührt sanft die Wasseroberfläche
Kreise entstehen und vergehen, dann wieder Stille
Das ewige Werden und Vergehen in der Stille der Nacht.

Hoffnung durch ewigen Wandel. Mit diesem Gedanken ließ Yllaria ihren Geist noch tiefer in die Meditation sinken. Nur ein kleiner Teil ihrer Aufmerksamkeit blieb wach und lauschte weiterhin der Nacht.

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