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Verlassen

Are'vin Sarr'ha

Lange war der Klingentänzer unterwegs gewesen. Tiefer und tiefer in den Wald. Zuerst noch auf den Wegen, dann mehr und mehr durchs Unterholz, vorbei an mächtigen Bäumen, durch dichtes Gestrüpp, über kleine Bäche und tosende Flüsse. Immer dunkler wurde der Wald je tiefer man ihn erkunden wollte. Als wehrte der Yew sich dagegen seine Geheimnisse preis zu geben. Das Sonnenlicht drang nur noch sporadisch durch das dichte Blätterdach.

Tage und Nächte waren verstrichen seit seinem Aufbruch. Allein kniete er nun hier im La’e auf einem der höchsten Äste des Baumes den er auserkoren hatte um sich einen Überblick zu verschaffen.
Ein dichtes von der Sonne beschienen Blätterdach offenbarte sich seinem Blick; hier hoch oben in den Baumwipfeln.
Doch dann wand er sich um. In seinem Rücken lag ein verborgenes Tal so weit weg von allem anderen im Yew wie kaum etwas sonst. Vögel hörte man hier nahezu nicht mehr. Lediglich ein paar Krähen durchbrachen bisweilen die Stille, untermalt von einem sanften Wind der durch die Blätter strich. Die erhöhte Position erlaubte zu erkennen, was sich hier nicht direkt offenbarte.
In einem fast perfekten Kreis schienen die Bäume noch viel dunkler als drumherum. Je näher sich sein Blick zur Mitte dieses unheilvollen Ortes bewegte desto düsterer und vom Tode bedroht wirkten die Bäume.
Teils nur noch Gerippe. Ihrer einstigen Kraft und Schönheit beraubt.

Und da lag sie…

die verlassene Krypta, Ruinen deren Alter keiner mehr zu schätzen vermochte und ihre einstigen Erbauer wohl längst in der Zeit verloren.

So tief in den Yew drangen auch die Elfen nur selten vor. Der Wald verbot Reisen via Rune hier her. Es war eine der ersten Prüfungen überhaupt den Weg zu finden und ihn dann auch zu bestehen. All den Gefahren allein bis zu diesem Punkt zu trotzen. Den Elfen war es erlaubt, gar bestimmt hier zu sein, den Yew zu schützen und ihn zu kennen. Doch leicht machte er es auch ihnen nicht.

Es war ein Wunder wie sich Jener, der mit dem Tode spielte, hier verstecken konnte.

Unbemerkt, verborgen...

Wie hatte er den Weg hier her überhaupt finden können, welch dunkele Magie hatte ihn hergeleitet?

Jene die immer noch hier zu verweilen schien. Obwohl sie, die Fey, diesen Ort schon vor geraumer Zeit alle aufgesucht hatten und jene unsagbaren untoten Horden aus diesem Gemäuer und all der tiefliegenden Katakomben der Gnade Rhûns zugeführt hatten.

„Amagra, Arc wra“

murmelte Are‘vin während sich dieses Unheil in seinen Augen widerspiegelte. Düster und bedrohlich lag dieser Ort nun vor ihm. Was hatte ihn wieder hierhergetrieben.
Eigentlich die Suche nach jener riesigen Raubkatze die Be’ryll angegriffen hatte als dieser dem Yew helfen wollte.

E’lessar hatte einen anderen Verdacht, Yllaria suchte sicher bereits an anderer Stelle und das gewiss nicht allein. Doch seine Befürchtung war dieser Ort. Was wenn diese Raubkatze doch eine Verbindung mit diesem Arc wra innehatte?
Immerhin hatte diese Raubkatze Be’ryll bei der Beseitigung von den Auswirkungen dieses unheilvollen Ortes angegriffen.

Es galt herauszufinden ob eine Verbindung zwischen den Ereignissen bestand.
Und ob ja oder nein es galt diesen Ort im Auge zu behalten.

Darum war er hier.

Er der Klingentänzer.

Tief atmete Are‘vin ein und schob die Gedanken bei Seite. Er war hier nach langer Reise an diesen verlassenen Ort zurückgekehrt. Kurz knirschte er mit den Zähnen.
Dieser Ort obwohl mitten im Yew war anders. Verlassen, vergiftet von schwarzer Magie, düster.

Es war an ihm diesem Ort nun entgegen zu treten. Einst mit vielen der Fey nun war er wieder hier. Allein.

Are’vin wischte den Gedanken der Einsamkeit schnell beiseite.
Er war er nie allein.
Rhûns wachende Hand war stehts bei ihm.
Wie dunkel und voller Gefahr der Ort auch sein mochte, er war es, der Licht brachte. Er war die Hand, das Schild und das Schwert Ostens selbst und er war außerkoren sein Volk und all jene die es wert waren vor der Dunkelheit zu bewahren.

Solange er stand ward Licht.

Entschlossen mit graziösen, gar federleichten Bewegungen glitt der Elf den Baum hinunter, der Dunkelheit entgegen.

Lautlos, die glänzende Rüstung unter einem Gewand verborgen, welches ihn mit dem Wald verschmelzen ließ. Schwert, Dolch und Bogen bereit.
So eilte er durch das dichte Unterholz. Beinahe fliegend über umgestürzte Baumstämme und Gestein.

Die Ruinen kamen näher und er fühlte wie der Schatten sich seiner zu bemächtigen versuchten. Sie würden ihn nicht aufhalten.
Nicht ihn.
Doch dann stoppte er abrupt.

Es war nicht mehr sehr weit zu den Ruinen und zu dem verborgenen Eingang der Krypta doch etwas hatte seine Aufmerksamkeit erregt.

Den Blick starr nach vorn verharrte er. Seine Elfenaugen trotzen der Dunkelheit und suchten das naheliegende Dickicht ab, seine Ohren horchten angesträngt.

Er spürte eine unerwartete Präsenz.

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