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Vereint

Are'vin Sarr'ha

Regungslos stand er da, tief im Wald umgeben von Dunkelheit. Drei oder Vier Schritte bis zu den nächsten Bäumen und vielleicht noch hundertfünfzig bis zur Krypta. Die Luft war kühl in seinem Gesicht, als der Wind durch die Blätter zog und die Schatten der Krypta erneut wie stille Zeugen durch das Dickicht schlichen. Die Ruinen wirkten, als würden sie jeden Atemzug mit atmen, jeden Schritt registrieren.

Etwas war hier, etwas dass sich nicht einfügte in den Rest der Umgebung und es bahnte sich einen Weg durch das dichte Unterholz. Eine Präsenz kraftvoll, geschwind, entschlossen und gefährlich. Doch auch anmutig und voller innerer Ruhe.

Welch ein Zauber umgab ihn hier? Funken reinen Lichts, die sich durch die Bäume brachen und den Wald beinahe greifbar machten. Are‘vin hob die Hand, streckte die Finger sacht aus, als wollten sie das Licht berühren, das sich wie eine stille Flamme in der Dunkelheit entfaltete.

Er schloss die Augen selbst von Entschlossenheit erfüllt. Was auch immer da kommen würde er war bereit. Die Hände glitten lautlos zu den Griffen von Schwert und Dolch, bereit jeden Moment etwaiger Gefahr entgegenzutreten.

Doch dann… umspielte seine Lippen ein Lächeln. Selten entrann ihm eine derartige Reaktion. Sonst so distanziert, zurückhaltend, sparsam mit Emotionen. Doch nun lächelte er mit geschlossenen Augen und den Händen an den Waffen.

Dieses Gefühl, als greife jemand von hinten an die eigene Schulter…

In einem Wimpernschlag fuhr er herum die Klingen blitzen auf und rasten in die Dunkelheit. Krachend trafen sie auf funkelndes Metall. Elfische Klingen auf elfischer Klinge. Nur für einen winzigen Moment erhellten die sprühenden Funken die Umgebung so sehr, dass sie sich in die Augen blicken konnten. Wieder Dunkelheit doch die Augen der Elfen blickten einander an, der Dunkelheit zum Trotz. Und sie erkannten einander.

Ulyrea'sa'jar,
Are’vin.

Den Bäumen und jedem vermeintlich stillen Beobachter bot sich ein sagenhaft seltenes Schauspiel.
In kaum wahrnehmbarer Geschwindigkeit vollzog Are‘vin eine Drehung und ließ das Schwert in der Rechten gen Ulyrea'sa'jar niedergehen. Geradezu graziös wich dieser aus und konterte mit seinem Schwert, einem Fechter gleich. Seine linke Hand hatte er dabei dekadent auf dem Rücken in den Gürtel gesteckt.
Are’vin vollzog mit einem Schritt nach hinten ein gar unmögliches Ausweichmanöver. Fast in einem neunzig Grad Winkel lehnte er sich nach hintern während die scharfe Klinge Ulyrea'sa'jar’s über seinen Körper hinweg sauste. Der Dolch in der linken Hand Are’vin’s diente dabei im letzten Moment als Stütze und traf spitz auf den Boden dies ließ Are’vin wie eine gespannte Bogensehne wieder nach oben schnellen und das Schwert in seiner Rechten auf Ulyrea'sa'jar zu rasen.

Doch noch ehe Stahl auf Stahl treffen konnte, drehte dieser den Griff seiner Waffe scheinbar mühelos aus dem Handgelenk. Mit nur einer Hand führte er die Klinge, ließ sie kreisen wie einen silbernen Halbmond und lenkte den Hieb zur Seite. Der Aufprall ließ Funken in alle Richtungen stieben. Für einen flüchtigen Augenblick schien es, als tanzten Sterne zwischen den uralten Bäumen. Zwei Kontrahenten reinen Lichts welche in diesem Moment nur mit sich beschäftigt waren und sich nicht um die umgebende Dunkelheit scherten.

Kein Wort wurde gesprochen.

Keines war notwendig.

Sie verstanden einander in jeder Bewegung, in jedem Atemzug, in jedem kaum sichtbaren Gewichtswechsel.

Are'vin setzte nach.

Der Dolch seiner Linken schnellte vor wie der Biss einer Schlange, während das Schwert zugleich in einem weiten Bogen von oben herabfuhr. Zwei Klingen. Zwei Richtungen. Zwei tödliche Möglichkeiten.

Ulyrea'sa'jar wich nicht zurück.

Mit einer Eleganz, die jeder Beschreibung trotzte, glitt er zwischen beiden Angriffen hindurch. Sein Schwert wechselte in beide Hände, gewann an Kraft und ließ einen Hieb folgen, der selbst den Wind zu spalten schien. Are'vin drehte sich unter der Klinge hinweg, sein Mantel streifte den Waldboden, während der Dolch im Vorübergleiten gegen die Schneide des Meisters schlug und den mächtigen Angriff aus seiner Bahn lenkte.

Was folgte, war kein Kampf mehr.

Es war ein Tanz.

Sie bewegten sich schneller, als das Auge eines Menschen ihnen hätte folgen können. Jeder Schritt fand seinen Gegenpart. Jeder Angriff gebar eine Antwort. Die Schwerter sangen ihr helles Lied, begleitet vom hellen Klingen des Dolches, dessen Rhythmus sich wie eine zweite Stimme in die Melodie des Gefechts legte.

Ein Hagel aus Stahl brach über Ulyrea'sa'jar herein.
Are'vin feuerte Schwert und Dolch in endlosen Kombinationen und kreisen gen Ulyrea'sa'jar. Hiebe, Stiche, Schnitte und Finten verschmolzen zu einer einzigen fließenden Bewegung. Kaum schien eine Klinge geblockt, folgte bereits die nächste aus einer unmöglichen Richtung.

Doch Ulyrea'sa'jar begegnete jeder einzelnen.
Mal führte er sein Schwert mit einer Hand, beinahe spielerisch, als wäre das Gewicht bedeutungslos. Im nächsten Augenblick umfassten beide Hände den Griff und jeder seiner Hiebe besaß die Kraft eines herabstürzenden Felsens. Seine Klinge schien überall zugleich zu sein. Jeder Funke, der zwischen den Waffen aufsprang, erzählte von jahrhundertelanger Disziplin und vollendeter Meisterschaft.

Die Luft vibrierte.

Blätter wurden von unsichtbaren Böen emporgerissen. Lose Äste splitterten, ohne dass eine der Klingen sie bewusst berührt hätte. Selbst die Schatten der Krypta schienen ehrfürchtig zurückzuweichen, als wollten sie diesem Wiedersehen Raum gewähren.
Für einen Außenstehenden mochte es wirken wie ein Duell auf Leben und Tod.

Doch das Gegenteil war der Fall.

Jeder Hieb sprach von Vertrauen.

Jede Parade von Respekt.

Jede Finte von Erinnerungen an zahllose Unterrichtsstunden, an Ermahnungen, an Erfolge und Niederlagen. Dies war keine Schlacht. Es war die Sprache zweier Klingentänzer, die sich nach langer Zeit endlich wiedergefunden hatten. Worte hätten dieses Wiedersehen nur entweiht.

Dann…

Nur ein einziger Herzschlag veränderte den Rhythmus.

Are'vin drehte einen halben Schritt ein. Sein Schwert band die Klinge seines einstigen Lehrmeisters hoch über ihren Köpfen. Gleichzeitig setzte er sich um die eigene Achse in Bewegung. Eine fließende, vollkommene Drehung, deren Eleganz kaum von dieser Welt zu sein schien.
Sein Linkshanddolch beschrieb einen silbernen Kreis.

Mehr nicht.

Beide verharrten in eben jener Position die sie gerade inne hatten.

Zeitlos schien dieser Moment wie eine Ewigkeit in nur einem Wimpernschlag.
Die Spitze von Are’vin’s Doch hatte lediglich den Ärmel des Gewandes von Ulyrea'sa'jar berührt und den Stoff sauber geöffnet. Nicht ein Tropfen Blut war geflossen. Nicht einmal die Haut darunter war gestreift worden.
Stille.

Die Klingen verharrten.

Langsam senkten beide ihre Waffen.

Zwischen ihnen lag nichts als gegenseitige Achtung.

Are'vin hob den Blick und ein seltenes, ehrliches Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab.

„Sa A'baô gis'adshar“

Der Wind strich erneut durch die Bäume.

Und selbst die düsteren Ruinen der Krypta wirkten für einen flüchtigen Moment ein wenig weniger finster.

„Sa A'baô gis'adshar“ (Gut, dass du dich an mich erinnerst verehrter Meister / alter Elf)

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