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[Recap] Erschöpfung (Die Entdeckung des Herbstes - Einleitung)

E'lessar Telperien

(Repost aus dem alten SW- Rollenspielforum)

Kaum hatte der Zauber E'lessar unweit der Küste zur Venuspassage an seinem Haus wieder in die Stofflichkeit entlassen, sank er gegen die dicken Bohlen. Mit geschlossenen Augen presste er seine Wange an die den Tag über von der Sonne gewärmten Stämme, genoss das Gefühl von Vertrautheit, Geborgenheit, Sicherheit.

In der Gegenwart der jungen Völker war er stark, sicher, elegant. Alles nur Fassade. Seine Seele wünschte nichts anderes, als mit den Fey im Yewwald zu leben.

Frei davon, dass jemand mehr erwartete, als er bieten konnte.
Frei davon, sich stets überwinden zu müssen. Seine Sinne stumpften ab in der Gegenwart der Menschen. Ihre Sprache voller harter Deutlichkeit, ihre Bauten kunstlos und tot.

Entschlossen stieß er sich von der Wand ab; ein Gedanke lenkte das Iphaldi in eine neue Form. Schlingernd und wabernd zog es sich zurück, bis nur ein dunkelgrüner Gürtel übrig war, der sich um die schlanke Hüfte wand. Der Blick der wachen, lindgrünen Augen glitt über den Wald. Nicht weit von ihm, wo das Unterholz dichter war, war die Aura eines Rehs auszumachen, das ihn wohl ihrerseits aufmerksam betrachtete.

Doch sein Blick galt dem La an sich, nicht den Tieren darin. Anders als in den widir, über die die Menschen geboten, war hier alles im Einklang. Die Yewbäume bildeten die Zentren eines dichten Netzes, dass zugleich den Feinden Hindernis wie den Freunden Wegweiser war. Solange die Fey hier wachten und sich treu waren, würde keine Macht den Wald beschmutzen.

Beschmutzt - so hatte er den Wald empfunden, als er mit seinem Makel an das Tor getreten war, aus dem Diablo wiedergekehrt war. Seine Sinne strecken sich aus, mühelos, liebevoll getragen vom La, dessen Berührung ihn mit körperlicher Freude erfüllte und unvermittelt lächeln ließ. Doch nichts mehr war zu erkennen. Das Tor würde überwuchert werden, und die Erschütterung der Harmonie, die der zurückgekehrte verursacht hatte, war mit ihm verschwunden. Unvermittelt zuckte E'lessar zusammen. Seine Sinne waren an die Grenzen des Waldes gestoßen; ihn rüde daran erinnernd, dass das Land der Elfen eine belagerte Insel war, die so viele seiner Gefährten daran gehindert hatte, ihr Schiff zu besteigen.
Unvermittelt riss ihn ein Rauschen aus seinen Gedanken. Wie die Brandung an der wilden Küste raste ein Zauber heran, teilte mühelos die Wirklichkeit hinter ihm und gab den Blick auf Britain frei - und auf Yaquiria. Diese nickte Flindo kurz zu, bevor sie durch das Tor trat.

"Anor suil, ama" Yaquirias Stimme war sanft, lockend und fröhlich wie doch zu den meisten Zeiten. E'lessar gestattete sich, eine Weile in ihren Augen zu versinken, bevor er antwortete: "Sanyasala, fae'ama. q'dhao nea Britain?" Doch im selben Moment, da die Frage ausgesprochen war, interessierte ihn die Antwort bereits nicht mehr. Ihr zuvorkommend, verschloss er ihre Lippen mit einem Kuss; und im selben Moment, wie sein Geist sich fallen ließ, kehrte die Kraft in seinen Körper zurück.

Das helle, perlende Lachen zweier Elfen verscheuchte endgültig das noch immer aufmerksam wachende Reh, so dass niemand mehr da war, der zusehen konnte, wie E'lessar seine Geliebte in seine Arme hob und ins Haus verschwand...

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