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Gra-gwanchal (Die Entdeckung des Herbstes - No'Mandra)

E'lessar Telperien

E’lessar war zurückgekehrt, daran konnte kein Zweifel bestehen. Obwohl im Gedenken der Fae keinem von ihnen jemals dasselbe wie ihm widerfahren war, war seine Rückkehr unspektakulär gewesen.

Die Welt hatte sich weitergedreht. Seine Kinder waren erwachsen geworden. Der Yew war immer noch in sattes Sommergrün gekleidet.

Aber die Welt war auch vertraut geblieben. Yaquiria war an seiner Seite, auch wenn sie Jahre von ihm getrennt war. Farendor empfing Reisende im Zentrum des Waldes. Das mandra-elym ruhte in kaum gebändigter Macht auf der abgelegenen Lichtung, umgeben vom lar.

Der Alltag war verführerisch. Er kehrte zum Bund der Wachenden zurück, besuchte das sala‘mandra. Seine Tage waren so leicht zu füllen. So viele kleine Dinge waren zu tun, dass sie die fiala’matzy fast übertönten. Yaquiria bemerkte es zuerst. In jeder Nacht war der Endirô unruhig, warf sich herum. Mehr als einmal erwachte er, auf den Lippen noch die letzten Fragmente eines Satzes, den nicht sein eigener Geist geformt hatte.

Vor 41 Tagen war er zurückgekehrt. In dieser Nacht hatte er gar nicht geschlafen. Seit dem Sonnenuntergang wanderte er in Sichtweite seines Hauses umher. Er hatte gesehen, wie die Sterne den dunklen Himmel übernahmen, wie Yaquiria die letzten Lichter im Haus gelöscht hatte und Rudel von Kaninchen den Wald übernahmen.
Schweigend zog er seine Kreise. Die Iphaldi schien fast farblos, silbern im Mondlicht. Sein Geist aber schwieg nicht – in der Stille des nächtlichen Waldes war das Wispern leichter zu vernehmen – und doch blieb der Inhalt ihm verborgen. Ihm fehlte Erfahrung und Mut, in den eigenen Gedanken nach einem Tuêl zu forschen.

Doch das Schicksal begleitete E’lessar. Die Robe aus dem eng gewobenen mandra blieb hinter ihm zurück, romandra’nuya. Ihr Wesen mit dem Elfen verbunden, und doch von ihm getrennt. Wie ein loser Faden zog sich der silberne Strang aus mandra von E’lessar in den nahen Wald. Obwohl er das andere Ende nicht sehen konnte, wusste er im selben Moment, was er dort finden würde.

Val’ama gala’o.

Langsam umkreiste er den Baum, die Wahrnehmung auf das mandra gerichtet. Die Manafäden um den Baum herum waren, wie er sie verlassen hatte. Doch die Magie jenseits der Barriere war es nicht. Die grollende, blitzende Wolke aus verworrenem Mana tobte gegen die Grenzen des Rituals. Nur für einen Moment kam ihm der Gedanke, sein eigenes mandra und das des Rituals zu verbinden, ewig ordnend, sinnstiftend. Aber … war es nicht genau das, was das Problem zunächst verursacht hatte?
Dieses Mal wäre es anderes.

Jetzt war alles klar. Er war verändert zurückgekehrt. Einen Teil von sich hatte er verloren – einen anderen dazugewonnen. Und ein dritter Teil war gefangen, verzerrt. Im Inneren des Herbstbringers.

Vereint mit ihm. Getrennt von ihm.

Die dunkle Wolke nahm eine vertraute Gestalt an – seine.

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