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Der Herbst beginnt (Die Entdeckung des Herbstes - Abschluss)

E'lessar Telperien, val'ama gala'o

Im tiefgrünen Herzen des Waldes, wo die uralten Yewbäume dicht an dicht stehen und ihre Kronen das Licht der Sterne nur flüchtig hindurchlassen, wartete E’lessar. Der Wind rauschte ungewöhnlich wild durch die Lichtung, als er, nur in seine Iphaldi gehüllt und das Haar vom Wind zerzaust, auf einer Bank saß und in meditativer Ruhe den Moment erwartete. Um ihn herum schienen die Geräusche des Waldes zu verstummen, einzig das Quaken eines nahen Frosches und das Summen eines Irrlichts blieben erhalten.

Yllaria, die junge lairfeya, trat langsam näher und grüßte ihn mit den Worten „Sanyasala E'lessar-iama“. E'lessar öffnete langsam die Augen, blickte freundlich zu ihr, und lud sie ein, sich zu ihm zu setzen. Bald gesellten sich Are'vin Sarr'ha und Rilaon Arisaema dazu, jeder mit seiner eigenen Aura und Haltung, dem Wind und den magischen Energien des Ortes ausgesetzt. Die Elfen sprachen nur wenig, während der zunehmende Mond über die Baumkronen stieg und Zeichen gab, dass die Zeit gekommen war.

E'lessar erhob sich, der Wind zerrend an seinem Haar und der nebelhaften Robe. Goldene Haut blitzt unter dem Gewebe hervor, als er zum Steinkreis schritt. Die Steine, jeder von ihnen mit tiefer Bedeutung versehen, wurden den Anwesenden zugeordnet: Yllaria zum „Ya“, dem Stein des Lebens, Are'vin zum Stein des Lichts "Sha" und Rilaon zum Stein des Waldes "La". Zwischen dem La und dem Sha, so erklärte E'lessar, entsprang der Weg, der die Völker der Elfen zu den alten Pfaden zurückführt.

Gemessen umrundete E'lessar den Steinkreis, seine Hand deutete auf die Steine, während die anderen Elfen ihre Plätze einnehmen und sich auf das Ritual konzentrierten. So nahe am Herzen der Elfenmagie war die Form der Magie für alle Beteiligten zu sehen. Funken tanzten wie Staubkörner durch den Kreis und formten lange, filigrane Fäden. Doch die Elfen waren nicht zusammengekommen, um die Schönheit des mandra zu erfahren – entlang der Verbindungen der Yewbäume führte E’lessar sie zu einem unscheinbaren Baum am südlichen Rand des Waldes. Dort war das mandra verwundet, flackend, sterbend. Der Verbindungsfaden zum nächsten war zerfasert, schillernd. Im Herzen des Baumes blitzte ein irritierend rotes Licht auf; schwirrte erratisch umher.

Wenige Worte wurden gesprochen. E‘lessars Kraft allein reichte nicht aus, um den Faden zu heilen. Yllaria schloss die Augen und legte die Handflächen auf den Waldboden, grün-goldene Wurzeln aus reiner Magie strömen aus ihr zu E'lessar. Rilaon, tief in die Erde versunken, malte Kreise mit öliger Farbe auf den La- Stein, während das Wurzelgeflecht des Waldes dem Kreisbild folgt und entflüchtendes Mana im Strom zu halten versuchte. Are'vin versank in das Gebet zu Rhûn, eine Aura aus Licht umgab ihn, während er den Allvater um Kraft bat.

Das Ritual wurde nur herausfordernder, als E'lessars Magie sich auf den Zeitfluss richtete. Die nur annährend reparierte Verbindung zuckte unter der Last der Zeitmagie. Ein Schwarm Vögel fliegt für einen Moment rückwärts, bevor er wieder seinem Schicksal nach vorne entglitt. Die Magie, das Netz aus Wurzeln und leuchtendem Mana hielt den zerfaserten Faden, doch im Herbstbaum tobte der rote Funke, der Kern der Verletzung. Immer wieder entflohen Funken aus dem Zauber, huschen in alle Richtungen, während E'lessar und Yllaria ihre Kräfte bündelten, und Rilaon die Balance der Ströme hielt.

Da formte sich aus der Magie ein dunkler Schatten – E'lessars Zwilling, verzerrt von Hass und Schmerz. Der Zwilling stand E'lessar gegenüber, die Robe wallend, die Gesten hasserfüllt, die Hände bereit zum Schlag. Are'vin, wie aufschreckend aus seinem Gebet, die Augen glühend mit dem Sharhûn, dem Licht Ostens erhob sich zum finalen Akt des Rituals. Die Schutzzauber Yllarias und des schwachen E'lessar hielten den rasend tobenden Zwilling kaum auf. während die Melodie Yllarias durch die Lichtung hallte und grüne Lichter eine Rune unter E'lessar formten.

Ein weißer Hirsch, das Leittier der Herde, tritt aus dem Wald, als Zeichen des Lebens. Die Tiere des Yew waren angelockt von der ungebändigten Magie aus dem mandra-elym und beobachten aufmerksam das Geschehen. Der dunkle Zwilling schrie und versuchte, aus dem Gefängnis des Ritualkreises auszubrechen, doch Are'vins stürmte durch den Kreis der Magie, schneller als selbst Elfenaugen ihm folgen konnte. Die Klinge aus Rhûns reinem Licht traf keinen Widerstand, eine Lücke bildete sich im Schatten, und mit einem langgezogenen Schrei löste sich der Zwilling auf. E'lessar warf den Kopf zurück, ein Schrei erfüllte die Lichtung, und der Magier sinkt erschöpft zu Boden. Die Iphaldi löste sich auf, zurück blieb der nackte Elf, befreit von der Last – ein himmelblauer Splitter steigt aus seiner Brust und wird vom Wind gen Norden getragen. Der letzte Überbleibsel Mebrithandurins.

Stille kehrte ein auf der Lichtung des sala'mandra. Die Magie flackert und erlischt, der Wind nimmt ab, und für einen langen Moment scheint die Welt stillzustehen. E'lessar schlägt die Augen auf, atmet tief ein, richtet sich langsam auf.

„Kein Riss. Weder im mandra, noch in mir,“ spricht E'lessar. Die Elfen und Tiere des Waldes kommen zusammen, berühren sich, tauschen Dankbarkeit und Trost. Der weiße Hirsch, als Zeichen des Lebens, wird von E'lessar sanft gestreichelt. Die Wege des sala'mandra haben geraten, keine Hilfe von anderen anzunehmen, doch die Zeiten ändern sich – gemeinsam bewirkten die Elfen Großes.

Die blassen Sterne strahlten über dem Walddach, der Wind fuhr sanft durch das Laub, und die Magie des Ortes verebbte Abschließend verabschiedete sich E'lessar, um zu seiner Familie zurückzukehren, wissend, dass dieser Abend den Lauf des Schicksals verändert hatte. Die Elfen und Tiere verstreuen sich in die Schatten des Waldes, und nur der Baum nahe der Venuspassage blieb zurück. Ein einzelnes Herbstblatt löste sich aus der Krone, sanft auf den weichen Boden segelnd.

Der Herbst hatte begonnen.

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