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[Recap] Ich bin dein Untergang! (Die Entdeckung d. Herbstes - Ama'No'Kahrjanda)

E'lessar Telperien

(Repost aus dem alten SW- Rollenspielforum; zugleich Teil der Quest um das Herz des Waldes)

…Wo einst das Herz des Waldes schlug, war Leere…

Shy’lia. Sie schälte sich aus den tanzenden Schatten des Waldrandes, der Körper ausgemergelt und wie tot, allein die Augen brannten noch in hellem Feuer… Doch kein zahmes, wärmendes Herdfeuer, nur ungezügeltes Inferno des Hasses, Funken sprühend, Welle um Welle von Magie gegen ihn sendend. Nur mühsam behielt die Sorge um sein eigenes Überleben die Überhand vor der Sorge um Shy’lia, nur mit Konzentration richtete E’lessars Geist einen Schutz um seinen Körper ein der sofort darauf wieder unter den Angriffen der Eldanêsh zersplitterte.

Einen Moment lang nagte der schreckliche Gedanke an ihm, Shy’lia könnte der Auslöser sein für die Veränderungen des Waldes. Doch der kraftlose Körper, der gebrochene Blick hinter all dem Zorn - Nein, sie konnte es nicht sein.

…Wo einst das Herz des Waldes schlug, war Zorn…

Da, mitten auf ihrer Lichtung stand der Dämon. Seine höhnische Fratze heuchelte Mitgefühl. Mitgefühl das sie nicht brauchte. Um sie herum starb der Wald, die zierlichen Fußtapsen waren wie mit Asche in den Waldboden eingebrannt, wo immer sie ging. Und ER war schuld. Sterben sollte er, sterben würde er. Die Form, die er angenommen hatte, war irritierend vertraut, wie es die Art der gewiefteren Dämonen war.

Sie würde nicht ruhen, bis sie gewütet hatte – wüten? Welch seltsame Gedanken sich doch in ihr Bewusstsein schlichen, dachte sie verwundert, während ein anderer Gedanke den Dämon in Schmerzen hüllte. Dieser gurgelte Worte, zuerst in der hässlichen, gutturalen Sprache, die man den Dämonen zuschreibt, dann aber winselte er seine Lügen in der Sprache ihres Volkes.

…Wo einst das Herz des Waldes schlug, war Furcht…

E’lessar zuckte erst zusammen, dann begann er zu schreien, als Shy’lias Zauber seinen Schutz einfach durchfloss wie Wasser niemals von einem Sieb aufgehalten wurde. Entschlossen durchbrach er den Schmerz, formte den Schutzzauber neu, und richtete den Blick fest auf sein Gegenüber

„Shy’lia, ich kann dir helfen, wenn du mich nur lässt.“

Die donnernde Stimme der Waldelfe, die dennoch nicht die ihre war, gellte über das sala’mandra, weitere Zauber brandeten auf ihn ein. Und inzwischen hob Shy’lia ihren Stab, der mit ihr ergraut war, mit ihr kämpfen würde.

…Wo einst das Herz des Waldes schlug, war Wahnsinn…

Ein Dämon, der ihren Zaubern widerstand, hier! Die Blätter der Bäume um die Lichtung herum begannen zu rauschen. Die Bäume teilten ihren Zorn. Nicht einmal die seltsam vertraue Form hatte er aufgeben müssen. Doch sie vermochte viel mehr zu tun. Geschmeidig sprang sie vor, den Stab mit beiden Händen greifend und gegen die Kehle des Dämons zu pressen. Fester, fester, nur immer fester müsste sie zudrücken, dann würde er schwächer werden. Ein perlendes Lachen entrang sich ihr und um sie herum verdorrte der Boden vor Schmerz.

Der Dämon zappelte hilflos unter ihr, wurde immer schwächer. Wie ein kleiner Junge, der einen gefangenen Schmetterling betrachtet, beugte die stumme Stimme des Tweldan’La sich vor, den sterbenden Dämon zu betrachten. Während die Rechte den Stab fester gegen seine Kehle presste, löste sich die Linke und wanderte zu seinem Gesicht. Streichelnd, tastend und doch eine helle blutige Strieme hinterlassend glitten die Finger über das Trugbild, hinter dem sich der Dämon versteckte.

…Wo einst das Herz des Waldes schlug, war Mutlosigkeit…

E’lessar konnte kaum atmen, mit so viel Kraft presste die zierliche Waldelfe den Stab gegen seinen Hals. Unvermittelt musste er aufhusten, als Shy’lia mit einem garstigen Zischen den Boden um sie herum verdorren ließ, das Gras sich in Dornenranken wandelte und kleine Wunden in seinen Rücken bohrte. Selbst als sie eine Hand vom Stab löste und mit der freien Hand über sein Gesicht strich, mit den Fingernägeln brennende Schrammen ziehend konnte er ihren eisernen Griff nicht lösen. Die zarte Hand wanderte seinen Hals herunter, und schwarze Schleier begannen vor seinen Augen zu tanzen, Vorboten der nahenden Bewusstlosigkeit, der unabwendbaren Niederlage. Wenige Augenblicke lang kämpfte er, dann gewann die verlockende Dunkelheit die Oberhand. Instinkt errang Herrschaft über Bewusstsein, im selben Moment, da auch Shy’lia sich an einer der Dornen stach.

…Wo einst das Herz des Waldes schlug, schlugen zwei sterbliche Herzen…

Gemeinsam waren die beiden Elfen in ihrer Liebe zu diesem Weg. Shy’lia in der tiefen Art von Liebe, die den Tod überdauern und besiegen konnte, E’lessar in der feurigen Art zu lieben, die zwei Seelen empfinden, die nach langer Trennung wieder zueinander finden. Gemeinsam waren sie auch darin, an einer Schwelle zu stehen. E’lessar an dem dämmrigen Ort, der Bewusstsein und Ohnmacht verknüpft, Shy’lia weit fort von sich selbst, und doch in ihrem Inneren gefangen.

Lichtelfenblut und Waldelfenblut mischten sich auf der Lichtung, schufen eine flüchtige Verbindung zwischen ihnen auf der Lichtung des sala’mandra. Zwei Elfenherzen schlugen im selben Moment im Zentrum des mandra, der Magie der Elfen.

…Wo zwei sterbliche Herzen schlugen, schrie ein Rabe voll Qual…

Der Rabe flog über ungewisse Schwärze, auf ein Licht zu, das den einzigen festen Punkt in seiner Welt darstellte. Es lag nicht in seiner Natur, Furcht vor dem, was unter ihm lag zu empfinden, und doch segelte er mal nach rechts, mal nach links fort von seinem Weg.

Die Schwärze aber breitete sich wie ein Ozean gleichmäßig zu allen Seiten aus. Es war, als wäre ein Teil der Wirklichkeit einfach herausgebrochen worden, und nichts wäre bereit, diesen Teil zu ersetzen, um nicht dasselbe Schicksal zu erleiden. Der Rabe flog, ohne das Licht wirklich zum Ziel zu haben, weiter darauf zu, Flügelschlag um Flügelschlag, doch die meiste Zeit getragen von einem Wind, der schneidend kalt, aber aufwärts gerichtet war.
Unvermittelt wurde der scharfe Blick aus den schwarzen Augen nach unten gezogen. Die Flügel weit ausspreizend, betrachtete er verwundert die bläuliche Reflexion im ansonsten lichtlosen Schwarz. Ein Fleck, weit unter ihm, schillernd im Widerschein des Lichts.

Kurz entschlossen segelte er herab, auf die Dunkelheit zu, die ihm Lichtlos erschien, und in der dennoch die Reflexion deutlicher und deutlicher wurde. Neugier war ein Gefühl, das ihn jedes Mal erfasste, wenn er etwas glitzern sah.

Er sank in langsamen Spiralen herab, auch wenn seine Umgebung sich nicht um einen Deut änderte. Unter ihm war Dunkelheit, über ihm graublauer Himmel. Doch der Glanz kam näher, wechselte allmählich seine Farbe von kühlem Blau zu einem satten Gold.

Plötzlich, ohne dass er erkennen konnte warum, lag es klar unter ihm: Die Quelle der Reflexion war ein zweiter Rabe, mit golden schimmerndem Gefieder, wachen schwarzen Augen und weit gespreizten Schwingen. Er schien kopfüber zu gleiten, aber vielleicht glitt auch er selbst verkehrt herum dahin, fragte sich der Rabe. Dem Impuls nachgebend rollte er herum, verlor die Reflexion aus den Augen. Aus einem Grund, den er nicht kannte – nicht erkennen konnte - versetzte ihn das in Panik. Wild flatternd taumelte er. Sein Gefühl für oben und unten kehrte erst zurück, als er den zweiten Raben wieder sehen konnte. Er war gefährlich nahe an die Schwärze geraten, die sie trennte.

Aus der Nähe betrachtet, schien die Schwärze gar nicht so dunkel. Immerhin konnte er hindurch sehen, zu dem anderen Raben. Vielmehr schien das trennende zwischen ihnen allein das Funkeln von Myriaden Manaknoten – woher kannte er dieses Wort nur? – zu sein, das er leicht durchbrechen könnte, wenn er nur die Furcht überwinden könnte.

…wo ein Rabe voll Qual schrie, war Kahrjanda…

Gleichzeitig fassten die beiden Raben einen Entschluss, kamen aufeinander zu. Die Dunkelheit um sie herum wich einem diffusen Glimmen, als würde sich der Teil der Welt, der fehlte, auf den Rückweg in die Wirklichkeit machen. Nur wenige Augenblicke, dann würden die beiden sich treffen, genau in der Mitte, genug zwischen den funkelnden Manaknoten. Der neugierige Teil seiner Seele fragte sich, wer von beiden nun oben sei, und wer unten, und in welche Richtung sie abstürzen würden, der Rest hatte einfach Angst.
Der Rabe schloss die Augen, stürzte – oder stieg? – weiter. Erst als er den anderen fast erreicht haben musste, öffnete er sie wieder. Doch die sonst so scharfe Sicht verschwamm, und es vergingen viele Herzschläge, bis sie sich wieder klärte. Und er sah sich selbst. Die Tatsache an sich erschreckte ihn kaum so sehr wie die, dass ein großes Stück in ihm fehlte. Und genau dort war die Schwärze, die genau in diesem Moment der zweite, goldene Rabe berührte. Dann war alles gleißend hell…

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