Online: 22

[Recap] Ein eigenes Orakel (Die Entdeckung des Herbstes - No'Mandra)

E'lessar Telperien

(Repost aus dem alten SW- Rollenspielforum)

Yaquiria war wie so oft in der letzten Zeit mit Elondariel unterwegs. Der Klingentänzer und seine Schwertsprecherin waren oft für Tage im Wald verschwunden, und E’lessar brauchte mehr als einmal einen Gutteil seiner Selbstbeherrschung, nicht nach ihr zu suchen.

Diese Gedanken aber zählten im Moment nicht. Er musste seinen Geist reinigen, und seine Kräfte ansammeln für etwas völlig neues. Er hatte Monate damit verbracht, sechs Steine aus feinstem weißen Sandstein der Küste nahe des Orklands auszusuchen. Zwei weitere Wochen waren vergangen, während er sie im Wald vor seinem Haus penibel aufgestellt hatte.

Einen Platz vom Gestrüpp zu befreien war dabei einfach gewesen. Als schwierig hatte es sich jedoch herausgestellt, einen Ort zu finden. Noch niemals hatte er einen so komplizierten Zauber geformt, so dass es ihm ratsam schien, einen Ort zu finden, der das Ritual wenig stören würde. E’lessar hatte es zunächst sprachlos, dann aber im Stillen schmunzelnd als kleinen Wink des Schicksals hingenommen, dass sich nur wenige Schritte von seinem eigenen Haus entfernt ein solcher Platz gefunden hatte - Über die kleine Lichtung, die grade eben für seine Ansprüche ausreichen würde, zog sich nur eine einzige silbrige Verbindung zwischen dem Yewbaum, der einige Meter weit im Wald sein sattgrünes Blattwerk ausstreckte und einem altehrwürdigen Baum jenseits der Lichtung.
Genau um diese Linie herum richtete er die Steine zu einem Sechseck aus. Die zwei größten Steine genau im Lauf der Verbindung am Anfang und am Ende der Lichtung, die anderen vier komplettierten das Sechseck.

Dann war nur noch eine einzige Vorbereitung zu treffen: „Die Saat der Zukunft.“ murmelte E’lessar im Geiste wie auch ganz profan zu dem Ahornsetzling, den er grade in den weichen Boden eingrub. Er würde ihm eine Woche geben, bis seine Aura mit der der Lichtung verschmolzen war.

Diese Woche war nun um, stellte E’lessar bei sich fest, als er die Augen öffnete, und sein Blick auf die Venusbucht fiel. Der Sommer stand in voller Blüte, so dass er auch die wenigen Schritte zur Lichtung durch ein Meer aus Grüntönen tun musste, die Lichtung bis zum letzten Moment nicht zu erkennen war.

"Umso besser, hier wird mich kein telor stören."

Eigentlich würde ihn wohl auch an anderen Orten in Yew niemand stören, dennoch fühlte er sich sicherer, wenn er außerhalb der Sichtweite der Menschen blieb.

Noch ein Rundumblick, und es konnte losgehen. Mit einem letzten tiefen Ausatmen öffnete er seine Sinne. Mit einem plätschernden Geräusch machte sich die Verbindung von Manakern und Manaknoten vor ihm bemerkbar, deutlich heraustretend vor dem Hintergrund des leisen Rauschens anderer Magie, weiter weg oder viel schwächer als diese Verbindung. Brummend machte sich auch das Gefühl der fließenden Magie in seiner Magengegend bemerkbar, ließ ihn wie immer kurz schmunzeln. Doch schon einen Herzschlag später verblassten diese Eindrücke vor dem wirbelnden Spiel des mandra.

E’lessar blieb einen Moment stehen, um sich an die strahlend hell erscheinende Umwelt zu gewöhnen. Eher aus Gewohnheit wandte er den Blick der Verbindung zu, die er zu untersuchen gekommen war. Doch schon glitt die Aufmerksamkeit dem Punkt zu, an dem sie endete. Der altehrwürdige Baum schimmerte in so sattem Dunkelrot, wie es sonst nur die Äpfel zustandebrachten, die Shy’lia bisweilen zu den Sitzungen des Bundes mitbrachte. Darunter lag noch eine weitere Aura, unscheinbarer, von fast reinem weiß. Der junge Endirô nickte zufrieden.

Nun begann die eigentliche Arbeit. Noch einmal richtete er die Steine aus, so dass zwei Steine die Verbindung kreuzten, und die anderen das Hexagon komplettierten. Ein kurzer Gedanke nur, dann war der erste Zauber bereits gewirkt. Alle Gräser im Umkreis schüttelten sich, und langsam floss der abgeschüttelte Tau dem Hexagon zu, formte glitzernd die Kanten aus. Für E’lessars neue Wahrnehmung begann die Luft um ihn herum zu funkeln, als sein Zauber Manafunken zu Manasternen schmolz und diese zur Linie aus Wasser herabsanken. Erst in der Abenddämmerung war er zufrieden. Selbst wenn alles schief gehen sollte, hatte er genügend Schutzzauber gewoben, um den Wald nicht zu gefährden.

Die Zauber hatten ihn erschöpft, und den Rest des Zaubers würde er heute Abend nicht mehr wirken können, also könnte er genauso gut nach Hause zurückkehren. Vielleicht würde Yaquiria ja diesmal die Nacht bei ihm verbringen. Doch sie war wieder mit Elondariel unterwegs – ihre Klinge trug sie bei sich, wie E’lessar mit einem Stirnrunzeln bemerkte – und so blieb er allein.

Der nächste Tag brach mit einem Sonnenstrahl in seinem Gesicht und dem Beginn des Konzerts der vielen Singvögel an, die genau wie er die Nähe des Ozeans schätzen. Nach den Schutzzaubern gestern würde er heute die Ritualzauber auf die Steine legen. Der Gedanke machte ihn etwas nervös, aber er vertraute seinen Schutzzaubern. Malindras Rat hatte sich als unschätzbar erwiesen, und kein Fehler würde sie brechen.

Nur etwas später berührten seine Hände den Stein, der dem Yewbaum am nächsten war. Für den Blick seiner Seele schimmerte er in demselben beständigen lagunenblau, dass ihn und die anderen 5 erst ausgezeichnet hatte in den Augen den Seelenmagiers.
Noch einmal atmete er tief durch, dann begann er. Der Stein erzitterte in seiner Hand, als E’lessar einen Manafaden mit der sikardhan des Steins verband, und seine Aufmerksamkeit der Verbindung zwischen dem Baum vor sich und dem Yewbaum hinter sich zuwandte. Wie mit unsichtbaren Fingern glitt er an der Verbindung entlang, und zog sie schließlich mit einem sanften Ruck herunter, lenkte sie durch den Stein und den Faden hindurch. Der Faden änderte seine Form kaum merklich nach den Gedanken E’lessars, und unvermittelt faserte die Verbindung in drei Teile auf, eine behielt ihre ursprüngliche Richtung bei, die anderen beiden trafen die ersten seitlichen Steine.

An den seitlichen Steinen war seine Aufgabe um einiges leichter, nur die Richtung der Verbindung musste auf den jeweils nächsten Stein umgelenkt werden. Am letzten Stein allerdings blieb er zunächst hilflos stehen. Wie für so viele andere Dinge galt nun einmal auch für das mandra, dass Dinge einfacher zu teilen als zusammenzusetzen waren. Schließlich gelang es ihm aber, die aufgesplitterten Teile der Verbindung wieder zu einer einzigen zu verbinden, der dann den altehrwürdigen Baum erreichte.
Am ersten und am letzten Stein war nun der Manafaden befestigt, um als Gefäß für die beiden eigentlichen Zauber zu dienen. Doch dafür würde er Hilfe brauchen. Und die gab es nur an einem Ort im Yewwald.

Beiträge in diesem Thread