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Shiânna’Elrohir (Die Entdeckung des Herbstes - Zerza'jah No'Kahrjanda)

E'lessar Telperien

Auf der Lichtung des Bundes der Wachenden hing an diesem Morgen ein sanfter Nebel, der alle Formen verschluckte. Jedes Geräusch zu einem Flüstern dämpfte.

E’lessar wanderte schweigend durch die Räume. Es hatte sich viel verändert auf der Lichtung. Die Waldelfe Yllaria war in eines der Gästezimmer im Ostturm eingezogen – immerhin die Gastfreundschaft des Bundes war eine Konstante geblieben. Doch seine Gedanken waren bei einem anderen Elfen.

Elrohir hatte nur wenig gemeinsame Zeit mit ihm verbracht. Wenn er zurückdachte, wusste er kaum zu sagen, welche Erwartung er damals an ihn gehabt hatte – sowohl als salamandra, als auch als Träger eines Schicksals, dem er sich nicht fügen wollte.

Erwartungen – Elrohir hatte sie mühelos übertroffen, so wie es aussah. Nicht nur war er zum Eldanêsh aufgestiegen. Er war eine wichtige Stimme unter den Fey geworden – im Rat ebenso wie unter den Wachenden.

E‘lessars ziellose Schritte hatten ihn zum Haus des Handwerks geführt. In einem schmalen Regal gleich an der Seite trat er an einen Stapel Kleidung heran, den der Bund dort bereithielt. Am Saum jedes Stücks war eine schmale Rune in goldenem Faden „El Su“.
In jedem Raum waren die Spuren Elrohirs zu finden. Jeder Lichtelf, mit dem er gesprochen hatte kannte ihn.

So viele Leben hatte er berührt, ebenso wie das E’lessars. Der Blick des Endirôs verschwamm für einen Moment, als er sich auf das Mana der Umgebung konzentrierte. Seine Finger strichen über Elrohirs Siegel. Bevor er sich dessen richtig bewusstwurde, verbanden sich die Manafäden zu einem schmalen, fragilen Netz.
Langgezogen, zerbrechlich, instabil.

Ebenso schnell wie seine Magie es geschaffen hatten, war das Netz zerbrochen. Die Fäden verloren ihre Verbindung, die Magie floss in alle Richtungen davon.

E’lessar hielt inne. In diesem einen, flüchtigen Augenblick waren er und Elrohir verbunden, waren ihre Erinnerungen eins. Doch der Moment war vergangen, und die Erinnerungen mit ihm verflogen. Nur Bruchstücke waren geblieben, verschwommene Eindrücke.

Langsamer Atem, scharfer Geist. Nur so würde er die Bilder festhalten können. Es fiel ihm schwer, die Konzentration zu halten. Jede Berührung des Morgennebels war wie ein Nadelstich auf seiner Haut, jedes Geräusch aus dem Wald drohte die letzten Reste der Verbindung zu unterbrechen.

Doch er blieb standhaft. Die Erinnerungen waren verschwommen, überlagerten seine eigenen. Aber sie waren da. Er schloss die Augen, jede Erinnerung sorgsam betrachtend. Mit jedem Eindruck, der sich zu seinen eigenen gesellte wurde es ihm klarer. Er hatte Elrohir nicht nur unterschätzt, er war auch davon ausgegangen, dass sein Schicksal, das von Elrohir überschatten würde.

Ein weiterer Aspekt des Rituals war nun klarer. Jeder Fey sollte darin seinen Platz haben, jeder Weg konnte in unterschiedliche Richtungen weisen. Es würde Zeit benötigen, die Änderungen zu planen – wieder einmal.

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