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Pfeile aus Eis und Aufmerksamkeit

Nathan Calresh

Der Vampir fuhr sich durch sein rabenschwarzes Haar und blickte mit blauen Augen nachdenklich auf Aenur, als dieser das Haus verließ.

Aenur war ein kampferprobter Assassine, der seinem Gegenüber ruhig ins Auge blickte, während sein Dolch ihn aus diesem Leben erlöste.

Magische Pfeile, angereichert mit Eismagie, würden den Balor, der an Hitze gewohnt war, überraschen. Darauf setzte der Vampir.

Eines jedoch beunruhigte Nathan: Aenurs Aufmerksamkeit. In ihrer reinsten Form ist die Aufmerksamkeit wie eine Huldigung. Sie erlaubt dem Aufmerksamen, etwas zu empfangen, das nicht aus dem eigenen getriebenen Geist stammt. Hierin lag für einen Vampir die wirkliche Gefahr. Täuschung wurde durch Präsenz ersetzt. Denken durch Sein. Und genau hier bestand die Möglichkeit, ein Novum an Gedanken zu erhalten, das der Wahrheit viel näher kommen könnte, als es von einem Vampir sonst für möglich gehalten wurde.

Aufmerksamkeit. Eine Gabe, ein Geschenk an das Gegenüber. Und eine Gefahr zugleich, auf das Wesentliche zu stoßen. Auf das, was verborgen ist. Wie Pfeile aus Eis.

"Möge der Nachtwind dich umschließen, Yllaria", flüsterte der Vampir, sein milchblasses Gesicht vom Mond erhellt, als schiene es fast durchscheinend.

Also begab sich der Vampir unter dem Schutz des Mondes in den Wald, spannte seine Repetierarmbrust einige hundert Mal, mit seltenen Pfeilen, und Bolzen. Rhytmisch und makellos surrten sie durch die Nacht, während die Mechanik der Repetierarmbrust griff. Und vor allem verbarg der Vampir sein Denken, vergaß es sogar.

Sein statt Denken. Pure Präsenz.

Weder Tötungsabsicht noch gedankliche Unruhe durften Teil des Schießens sein. Niemand durfte den Angriff vor dem Schuss spüren.

Das Geheimnis des Vampirs musste gewahrt bleiben.

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