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Die singenden Tunnel Elashinns. [Balor-Quest]

Nytharion Ky'Alur

Nicht mit Stimmen. Nicht mit Gebeten.
Nein... mit dem herrlichen Knacken platzender Steine, dem Kreischen sterbender Sklaven und dem tiefen Donnern jener Dinge, die aus der glutroten Tiefe krochen.
Nytharion schritt gemächlich durch die flackernden Gänge, während über ihm Staub von den Decken rieselte und irgendwo in der Ferne erneut ein Tunnel einstürzte. Sein langes, schneeweißes Haar war vom heißen Wind zerzaust, während das irre Grinsen auf seinen Lippen breiter wurde. Die Luft roch nach Schwefel, verbranntem Fleisch und Angst.

Vor allem nach Angst.

Wie wunderschön sie doch war.
Zwischen seinen schlanken Fingern glitten beinahe liebevoll die Saiten seiner Laute entlang. Ein langsames, schiefes Lied erklang. Falsch. Unheilvoll. Fast verspielt. Jene Melodie, die einige in Elashinn bereits kannten. Die letzten Klänge, die viele jemals gehört hatten.

Aus einem Seitengang stolperte eine Gruppe Sklaven hervor. Halb verbrannt. Weinend. Panisch. Einer von ihnen brach direkt vor ihm zusammen und flehte keuchend um Hilfe.

Nytharion betrachtete ihn einen langen Moment schweigend. Und in seinen Gedanken notierte er eine Pause.

Dann begann er zu lachen.

Leise zuerst.

Dann lauter.

Dann völlig hemmungslos.

„Hört ihr es denn nicht?“ fragte er schließlich mit glänzenden Augen in die Dunkelheit hinein. „Dieses wundervolle Crescendo? Dieses Chaos? Ahhh... die Stadt lebt endlich!“

Hinter den Flüchtlingen bewegte sich bereits das rote Glühen der nahenden Kreaturen durch die Tunnel. Schatten zuckten über die Wände. Hitze waberte durch die Luft wie der Atem eines riesigen Tieres.
Und irgendwo erklangen die Glocken und Gongs der Wachen. Nahe zu alles was krach machte um Alarm zu schlagen.

Nytharion seufzte entzückt.

„Jetzt kommen sie alle aus ihren Löchern gekrochen. Die Helden. Die Kommandanten. Die tapferen Sargtlin mit ihren großen Äxten und ihren noch größeren Egos.“
Seine roten Augen funkelten wahnsinnig.

„Ich hoffe wirklich, jemand stirbt auf dramatische Weise, es wäre mir eine Ballade wert.“

Mit einer fließenden Bewegung zog er die kleine Handarmbrust unter seinem Mantel hervor. Fast beiläufig schoss der Bolzen dem verletzten Sklaven direkt durch das Auge. Der Körper sackte reglos zusammen.

Nytharion verzog zufrieden das Gesicht.

„Besser.“

Dann setzte er seinen Weg fort. Langsam. Pfeifend. Die Laute erneut spielend, während hinter ihm das Feuer näher kroch. Es war nun wahrhaftig an der Zeit in die Stadtmauern zurückzukehren, auch wenn die vom Schwefel und Schreien der Verzweiflung getränkten Gänge und Schächte ihn absolut faszinierten.

Vielleicht würde Elashinn brennen.

Vielleicht würden tausende sterben.

Vielleicht würden die Tunnel selbst einstürzen und die gesamte Stadt begraben.

Und bei dem Gedanken begann Nytharion erneut zu lachen, während er auf dem Weg nach Elashinn in der Dunkelheit verschwand verblieb seine Melodie, jedoch stetig leiser werdend und verhallte wie das Versprechen eines nahenden Todes.

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