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Re: Wenn Ketten brechen... [Balor-Quest]

Tath'raen

Die Wachstube von Elashinn lag tief unter den schwarzen Gewölben der Unterstadt, eingebettet zwischen uralten Basaltsäulen und mit Runen durchzogenen Mauern, über die das fahle Leuchten phosphoreszierender Pilzlampen floss wie träges Wasser über dunklen Stein, sodass der gesamte Raum in jenem kalten Zwielicht ruhte, das den Drow weit vertrauter war als jedes Sonnenlicht der Oberfläche. Tath'raen saß hinter einem schweren Tisch aus schwarzem Eisenholz, auf dessen Platte sich Berichte, Depeschen und halb geöffnete Wachprotokolle stapelten, und während seine roten Augen Zeile um Zeile über das Pergament glitten, spannte sich seine Kiefermuskulatur immer weiter an, weil jeder neue Bericht die gleiche Mischung aus Panik, Übertreibung und erbärmlicher Inkompetenz enthielt, die ihn bereits seit Tagen verfolgte. '...erste Flüchtlinge aus den äußeren Tunneln eingetroffen. Berichten von Feuererscheinungen, Kreaturen aus Lava und Angriffen auf Minenschächte...' Langsam ließ er das Pergament sinken, während sich sein Blick auf die übrigen Schreiben richtete, die sich vor ihm ausbreiteten wie ein Denkmal kollektiven Versagens, denn überall las er von verlorenen Wachposten, verbrannten Vorratslagern, verschwundenen Patrouillen und Sargtlin, einfachen Soldaten, die angeblich 'taktische Rückzüge' durchgeführt hatten, obwohl selbst ein halbblinder Höhlentroll erkannt hätte, dass damit nichts anderes gemeint war als kopflose Flucht.

Ein leises Knacken ging durch das Pergament in seiner Hand, als sich seine Finger fester darum schlossen, und obwohl Tath'raen nur selten offen die Beherrschung verlor, begann jene dunkle Gereiztheit in ihm aufzusteigen, die seine Untergebenen mittlerweile besser verstanden als offene Wut, weil sie wussten, dass der Wachkommandant immer dann am gefährlichsten wurde, wenn seine Stimme ruhig blieb und seine Bewegungen langsam wurden. Seit drei Tagen trafen Meldungen aus den äußeren Tunneln ein, jede schlimmer als die letzte, und während Flüchtlinge von brennenden Kreaturen, geschmolzenem Stein und zusammenbrechenden Höhlen berichteten, hatte keine einzige Patrouille brauchbare Informationen geliefert, was Tath'raen weit mehr erzürnte als die eigentliche Bedrohung, denn in seinen Augen war ein unfähiger Sargtlin stets gefährlicher als jeder Feind. Als sich schließlich die Tür der Wachstube vorsichtig öffnete und ein junger Sargtlin den Raum betrat, geschah dies mit einer solchen Zaghaftigkeit, dass Tath'raen bereits ahnte, noch bevor der Mann den Mund öffnete, dass die Nachricht kaum geeignet sein würde, seine Stimmung zu verbessern.

"... weitere Flüchtlinge aus den südlichen Tunneln berichten, etwas Großes hätte die alten Lavabrücken zerstört und mehrere Wachstellungen überrannt." Der junge Sargtlin sprach schnell, als wolle er die Worte möglichst rasch loswerden, doch Tath'raen erhob sich langsam von seinem Stuhl und richtete seine volle Aufmerksamkeit auf ihn, dessen Nervosität unter diesem Blick beinahe greifbar wurde. Einige Schritte näher tretend fragte Tath'raen mit ruhiger Stimme: "Und was genau haben die dort stationierten Sargtlin getan, außer davonzulaufen und dabei vermutlich noch ihre eigenen Waffen zu verlieren?" Der Sargtlin rang sichtbar nach einer Antwort, doch das Schweigen genügte Tath'raen bereits vollkommen, weshalb er eines der Pergamente vom Tisch nahm und es vor dem Jüngeren in die Höhe hielt. "Hier lese ich von verschwundenen Patrouillen, dort von aufgegebenen Tunnelabschnitten und verbrannten Lagern, und jedes einzelne Schreiben versucht Feigheit mit wohlklingenden Formulierungen zu tarnen, als würde aus Inkompetenz plötzlich Disziplin entstehen, nur weil irgendein Schreiberling sie als taktischen Rückzug bezeichnet."

Ein fernes Grollen durchlief plötzlich die Mauern der Wachstube und ließ die Pilzlampen flackern, während tief unter den steinernen Fundamenten Elashinns etwas vibrierte, das weit größer sein musste als ein einstürzender Tunnel oder ein gewöhnlicher Angriffstrupp, und obwohl der junge Sargtlin sichtbar erbleichte, schloss Tath'raen lediglich für einen Moment die Augen, weil ihn weniger die nahende Gefahr ermüdete als die Gewissheit, dass er sich erneut selbst darum kümmern musste, und das bereitete ihm Kopfschmerzen. Langsam wandte er sich der gegenüberliegenden Wand zu, an der seine Zweihandaxt hing, deren schwarzer Stahl das fahle Licht verschluckte, während Kerben entlang der breiten Schneide von vergangenen Schlachten erzählten, und als seine Finger den lederumwickelten Griff umschlossen, spürte er jene vertraute Ruhe in sich einkehren, die ihm nur Waffen jemals hatten geben können. Hinter ihm wich der Sargtlin instinktiv einen Schritt zurück, als Tath'raen die Axt von der Halterung nahm und mit wenigen routinierten Bewegungen die Gurte seiner Rüstung festzog.

"Offenbar", sagte er schließlich mit trockener Stimme, "sind meine Sargtlin nicht in der Lage, ein paar brennende Monstrositäten aufzuhalten, ohne dabei die halbe Unterstadt in Panik zu versetzen, weshalb ich wohl erneut selbst hinausgehen muss, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, den andere hineingefahren haben." Ohne auf eine Antwort zu warten, schritt er zur Tür der Wachstube.

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