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Erwachen lang verborgener Mächte

Jalron Di'Loren

Ein Luftzug erreichte ihn hier oben und wehte sanft durch sein Gewand. Ein Zeichen das bereits Maßnahmen ergriffen worden waren. Maßnahmen zu denen nur sehr wenige fähig waren. Geruch von alter Grabeserde.

So stand er da, nicht auf der Wehrmauer, nicht an der Seite seiner Lords und der Gardisten. Sie waren versammelt und blickten dem drohenden Unheil entschlossen entgegen. Die meisten zumindest, während Bürger und Bauern sich in ihren Häusern verbarrikadierten. Beinahe entfuhr ihm ein schmunzeln als er von seiner erhobenen Position aus über die Stadt und ihre Mauern blickte. Was sollten geschlossene Fensterläden schon gegen etwas derartiges vollbringen. Über den Dächern hing vermutlich bereits der Geruch von Rauch und verbrannter Erde als schrecklicher Vorbote dessen was da kommen möge.
Die Stadt und ihre Straßen waren bereits in jenen rötlichen Schimmer getaucht den nur Feuer aus längst vergessenen Welten hervorbringen konnten. Ein faszinierender und fast glanzvoller Anblick. Ein Schauspiel wahrer Macht, nach der man sich durchaus verzehren konnte.
Der Feind, der sich unseren Mauern nähert, ist kein gewöhnlicher Dämon. Was dort durch die Wälder zieht, ist ein Wesen uralter Flammen. Ein Geschöpf, geboren aus Hass, Zerstörung und dem brennenden Willen zur Vernichtung.

Und nun also hatte sich dieser Feind Minnersbach als Ziel auserkoren und darum standen sie alle dort. Auf der Wehrmauer, bewaffnet und um Kampf bereit. Nur er nicht.

Hatte er doch die vielen Stufen und Leitern hoch hinauf auf den Turm der Lordschaft nahe des Versammlungshauses in Minnersbach erklommen. Hier Stand er allein mit Blick über die Stadt und ihre Mauern hinaus. Dem Unheil direkt entgegensehend, was sich beständig unter Begleitung von Feuer, Explosionen und noch dumpfen Getöse der Stadt anzunähern suchte.

Da war er wieder der Luftzug der an seinem Gewand zog und den Duft alter Grabeserde mit sich trug.
Es war an der Zeit dem Ganzen entgegenzutreten Minnersbach war keine gewöhnliche Stadt.
Wer glaubt, Minnersbach werde fallen wie die Höfe und Wälder vor den Toren. Wer glaubt, Sterbliche würden vor Feuer kriechen. Dem Würde Minnersbach ein Zeichen wahrer Macht zeigen. Durch Schwert und Schild und durch jene die es einst befreit und wieder aufgebaut. Die Lords of War waren und sind hier und mit ihnen all jene die einst für ihren Schutz sorgten. Calligatius, Aleries, Koldar, Nemurir, Merrik, Xervarus…

Nur einige jener wahrhaft mächtigen der Lords of War und ihre Kraft ihr Willen zum Schutz dieser Stadt war stark und allgegenwärtig.
Mit ausgebreiteten Armen, den Blick gen den dunkeln rötlich schimmernden Himmel und dem Stab in der rechten Hand sollte vollzogen werden was vor so vielen Jahren schon vorbereitet war. Mit beiden Händen umschlossen fuhr die unter Spitze des Stabes krachend auf den steinernen Boden des Turms.
Diese Stadt wurde nicht nur aus Stein errichtet. Ihre Fundamente ruhen auf alten Bannkreisen, auf Tod, Blut und Magie. Mächte, die vermutlich viel älter sind als dieses sich nähernde Ungetüm und grausamer als sein Feuer.

Der Luftzug, Grabeserde, wehende Gewänder, blaue Banner Minnersbachs und schwarze der Lords of War die im Wind tanzen…
Alles stand reglos im kalten Wind.
Die Luft begann schwer zu werden. Ein tiefes Grollen lief durch die Stadt, als irgendwo unterhalb der Mauern uralte Mechanismen erwachten.
Die noch vereinzelten Bürger auf den Straßen wichen instinktiv zurück, als sich Schatten an den Mauern sammelten und geisterhafte Schemen aus den Pflastersteinen krochen.
Schwarze Glyphen begannen über die Mauern zu kriechen. Zwischen den Steinen pulsierte kaltes violettes Licht. Ein eisiger Wind zog durch die Straßen der Stadt und verdrängte selbst den Rauch des nahenden Brandes. Jede einzelne Fuge der Umgebenden Stadtmauer pulsierte nun in violettem Licht ebenso wie der Turm auf dem er stand.
Die Stadt lag nun gänzlich im Schein dieses pulsierenden, violetten Lichtes und verdrängte jenen unheilvollen rötlichen Schimmer, auch aus dem kleinsten Winkel der Stadt. Die Rüstungen der Soldaten auf den Mauern glänzten im pulsierenden violetten Schein.
Die Tore verriegelt. Die Katakomben versiegelt. Die Nekropolen geöffnet.
Was auch immer die Wälder verbrennt, den Himmel schwärzt und sich gegen die Mauern dieser Stadt wirft, wenn die Flammen Minnersbach erreichen… wird selbst die Hölle lernen, Angst vor dem Tod zu haben.

Sein schwarzer Mantel bewegte sich kaum im Wind, während seine bleichen Augen über die Wälder im Norden glitten, dorthin, wo der Himmel glutrot flackerte.
Die Alarmglocken untermalten diesen Anblick und es war ihm klar, die Alarmglocken würden bald zu Totenglocken werden. Doch sie waren bereit.

Da war er wieder der Luftzug und der Duft alter Grabeserde er stand hier nicht allein ebenso wenig wie die Lords und Gardisten auf den Mauern. Sie waren alle da und stellten sich dem drohenden Unheil gemeinsam entgegen.

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